Neue Lösungen für neue Techniken. Ein nicht vollständiger Überblick zur Versicherung von Elektro-Autos.

Ob man sich jetzt als Technik-Enthusiast mit Begeisterung auf die neue Fahrzeugtechnik stürzt und mit seinem Tesla auf Touren geht oder den neuen Antrieben beim Händler eher skeptisch gegenübersteht, fehlende Reichweite und so … Faktisch kommen wir immer weniger an der Elektromobilität vorbei. 1.000.000 Fahrzeuge mit Elektroantrieb sind mittlerweile auf Deutschlands Straßen unterwegs. Die Hälfte davon als reine Elektrofahrzeuge, die andere Hälfte als Hybrid mit einem konventionellen Motor und einem Elektroantrieb.

Die Politik diskutiert, ob der Verbrennungsmotor ab 2030 verboten werden soll. Andere Länder haben das Verbot teilweise schon umgesetzt. Etliche Hersteller haben bereits Erklärungen abgegeben, in welchem Jahr sie sich vom Verbrennungsmotor verabschieden wollen, um nur noch Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf den Markt zu bringen.

Dabei ist die neue Fahrzeugtechnik gar nicht so neu. Das erste Elektrofahrzeug wurde vermutlich zwischen 1832 und 1839 von dem schottischen Erfinder Robert Anderson entwickelt. Das erste bekannte deutsche Elektroauto war der Flocken Elektrowagen von 1888 und wurde als erster Personenkraftwagen verkauft. Erst ab ca. 1910 galt der Verbrennungsmotor für Autos als Standard. Im Zeichen des Klimawandels besinnt man sich auf die „alte“ und weiterentwickelte Technik. Verbrennungsmotoren sind nun als „Drecksschleudern“ verrufen.

Wie sieht es denn da mit dem Versicherungsschutz für Elektroautos aus? Sind die Versicherer genauso innovativ wie seinerzeit Nikola Tesla oder wie heute Elon Musk, dessen Unternehmen den Namen des berühmten Erfinders trägt? Wir möchten Ihnen hier einen kleinen Marktüberblick zu ausgewählten Versicherern und deren Angeboten zur Absicherung von Elektroautos geben. Dieser hat keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit – hierfür ist das Marktangebot schlicht zu groß.

 

Versicherer:      Helvetia

Tarif:                   eCar

Beim Helvetia eCar-Tarif handelt es sich um eine Deckung für reine Elektrofahrzeuge. Hybridfahrzeuge lassen sich hierüber nicht versichern. Für die Prämienberechnung werden nur einige wenige Tarifierungsmerkmale wie z. B. Fahrzeugwert, Führerscheindatum und die PLZ zur Tarifierung berücksichtigt. Auf Schadenfreiheitsklassen wird verzichtet, allerdings werden diese im Hintergrund weitergeführt. Sollte also ein späterer Versichererwechsel anstehen, können die Schadenfreiheitsklassen an den neuen Versicherer weitergegeben werden. Anstatt der Schadenfreiheitsklassen wird nach dem ersten schadenfreien Jahr ein Beitragsnachlass von 15 Prozent gewährt.

 

Besonderheiten:

  • Allgefahrendeckung – Versichert sind alle Gefahren, denen das Fahrzeug ausgesetzt ist und die nicht ausgeschlossen wurden (z. B. Verschleiß, Rost etc.)
  • Mobilitätsschutz – Kostenübernahme bei Panne, Wiederherstellung und Unfall, auch bei nicht vorsätzlichem geleertem Akku
  • Garantieschutz – Übernahme der Mangelbeseitigungskosten und Geltendmachung des berechtigten Anspruchs gegenüber Hersteller oder Händler
  • Zubehör – Versicherungsschutz für Wallboxen, Ladekabel und mobile Ladegeräte, einschließlich zugehöriger Adapter
  • Nur sieben Seiten Bedingungen
  • Monatliches Kündigungsrecht
  • Cyberschutz – Für Schäden durch Manipulation der im Fahrzeug befindlichen Software sowie Folgeschäden
  • Unbeschränkter Fahrerkreis
  • Leistungs-Update-Garantie
  • Übernahme des Wertverlusts zwischen Kaufpreis und Wiederbeschaffungswert für 36 Monate; alternativ Übernahme der Restforderung aus Finanzierung- oder Leasingverträgen (unabhängig davon, ob es sich um einen Neu- oder Gebrauchtwagen handelt)

 

Versicherer: die Bayerische

Die Bayerische verfügt noch nicht über einen Tarif speziell für E-Autos. Hier wird für die Versicherung von E-Autos und Hybrid-Fahrzeugen der Versicherungsschutz um die „Besonderen Bedingungen für die KFZ-Versicherung von Elektro- und Hybridfahrzeugen“ ergänzt. Klassischer Weise wird hier die Schadenfreiheitsklasse angewendet und weitergeführt. Auch die versicherten Gefahren sind die üblicherweise in der KFZ-Versicherung versicherten. Die Vermarktung erfolgt über die Pangaea Life, der nachhaltigen Marke von die Bayerische.

 

Besonderheiten:

  • Die zum versicherten Fahrzeug gehörende Ladestation und Ladekabel sind (auch während des Ladevorgangs) mitversichert
  • Bis 20.000 Euro gilt die Mitversicherung von Kurzschlussschäden inkl. Folgeschäden an der Verkabelung und des Antriebs-Akkumulators, einschließlich der dadurch bedingten Überspannungsschäden an angeschlossenen Aggregaten
  • Ebenfalls bis 20.000 Euro sind Folgeschäden am Antriebs-Akkumulator und den angeschlossenen Aggregaten durch Tierbisse mitversichert
  • Die nicht vorsätzliche Entladung des Akkus gilt als Panne im Rahmen des Schutzbriefs
  • Erstattung der anteiligen Miet- oder Leasingraten für max. drei Monate, sofern sich das Fahrzeug aufgrund eines versicherten Schadenereignisses in einer Werkstatt befindet

 

Basler Versicherungen

Die Basler verfügt noch nicht über einen Tarif speziell für E-Autos. Klassischer Weise wird hier die Schadenfreiheitsklasse angewendet und weitergeführt. Auch die versicherten Gefahren sind die üblicherweise in der KFZ-Versicherung versicherten.

 

Besonderheiten:

  • All-Gefahren-Deckung für den Akku
  • Entsorgungskosten für den Akku bis 3.000 Euro
  • Verlust des Ladekabels beim Ladevorgang oder wenn unter Verschluss
  • Mitversicherung mobiler Ladestationen bis 1.000 Euro
  • Wallbox bis 1.000 Euro
  • Folgeschäden durch Kurzschluss an Aggregaten bis 5.000 Euro

 

Versicherer: Axa

Die AXA verfügt noch nicht über einen Tarif speziell für E-Autos. Klassischer Weise wird hier die Schadenfreiheitsklasse angewendet und weitergeführt. Auch die versicherten Gefahren sind die üblicherweise in der KFZ-Versicherung versicherten.

 

Besonderheiten:

  • Versichert sind Schäden an der Verkabelung sowie Folgeschäden bis 3.000 Euro je Schadenfall
  • In der Teilkasko sind auch durch Tierbiss verursachte Schäden mitversichert, je nach ausgewähltem Tarif werden auch Folgeschäden ersetzt
  • Eingeschlossen sind Überspannungsschäden durch direkten Blitzschlag oder durch Blitzschlag, welche über das Ladekabel während des Ladevorgangs in das Auto geleitet werden
  • Der Akkumulator ist im Rahmen der Kaskoversicherung mitversichert

 

Versicherer: Adcuri

Die Adcuri verfügt noch nicht über einen Tarif speziell für E-Autos ergänzt. Klassischer Weise wird hier die Schadenfreiheitsklasse angewendet und weitergeführt. Auch die versicherten Gefahren sind die üblicherweise in der KFZ-Versicherung versicherten.

 

Besonderheiten:

  • Der Antriebs-Akku ist bei Beschädigung, Zerstörung oder Verlust bis 20.000 Euro versichert (ausgeschlossen sind nur Abnutzung/Verschleiß, Konstruktions- oder Materialfehler oder Schäden durch chemische Reaktionen)
  • Bei einem Totalschaden ist die Entsorgung und Resteverwertung des Antriebs-Akkus bis zu 3.000 Euro mitversichert
  • Das Ladekabel ist beim Ladevorgang gegen Diebstahl versichert
  • Bleibt der Pkw mit leerem Akku liegen, werden im Premium-Schutz die Abschleppkosten bis zur nächsten Ladestation übernommen

 

Versicherer: dialog

Die dialog verfügt noch nicht über einen Tarif speziell für E-Autos. Dennoch bietet sie einige Besonderheiten in ihrem Bedingungswerk speziell für diese Zielgruppe.

 

Besonderheiten:

  • Mitversicherung der Wallbox inkl. Ladekabel, auch wenn der Schaden durch Laden des Fahrzeugs entsteht, sofern kein Dritter dafür einzustehen hat
  • Übernahme der Entsorgungskosten des Akkus (Premium-Tarif)
  • Im Fahrzeug unter Verschluss bewahrte Ladekarten sind bis 100 Euro mitversichert.
  • Überspannungs- und Kurzschlussschäden an der Verkabelung und am Akku sind, auch bei mittelbarer Einwirkung, mitversichert; Folgeschäden an angeschlossenen Aggregaten bis 20.000 Euro sind ebenfalls eingeschlossen
  • Folgeschäden aus Tierbissen bis 20.000 Euro
  • Allgefahrendeckung (Ausschlüsse sind definiert) für den Akku
  • Je nach Tarif wird bis zu 36 Monate der Neupreis für den Akku entschädigt

 

Versicherer: ERGO

Die ERGO verfügt noch nicht über einen Tarif speziell für E-Autos. Es lässt sich ein Zusatzbaustein tarifieren, über den der Antriebs-Akku im Rahmen einer All-Gefahren-Deckung mitversichert ist. Sofern dieser abgeschlossen wurde, gilt:

  • Folgeschäden an durch Kurzschluss beschädigten Aggregaten bis 15.000 Euro versichert
  • Folgeschäden durch Tierbiss bis 15.000 Euro mitversichert
  • Allgefahrendeckung für den Akku
  • Abschleppen des Fahrzeugs bei leerem Akku bis zur nächsten Ladestation
  • Mitversicherung der privaten Wallbox und des damit fest verbundenen Ladekabels an der Adresse des Versicherungsnehmers
  • Entsorgungskosten des Akkus bis 2.000 Euro, wenn durch Beschädigung des Akkus entstanden

 

Versicherer: Gothaer

Die Gothaer verfügt noch nicht über einen Tarif speziell für E-Autos. Je nach Tarif gelten folgende Besonderheiten für Elektrofahrzeuge:

  • Bis 25.000 Euro: Allgefahrendeckung für den Akku
  • Bis 25.000 Euro: Kurzschluss-Folgeschäden am Akku durch Kurzschluss an der Verkabelung
  • Bis 25.000 Euro: Überspannungsschäden beim Laden an Akku oder Bordelektronik
  • Bis 25.000 Euro: Tierbiss-Folgeschäden am Akku
  • Bis 3.000 Euro: Brandschäden an Wallboxen/Ladestationen beim Ladevorgang
  • Bis 2.000 Euro: Akku-Löschkosten bei Totalschaden
  • Bis 5.000 Euro: Akku-Entsorgungskosten bei Totalschaden

 

Versicherer: HDI

Der HDI verfügt noch nicht über einen Tarif speziell für E-Autos. Es lässt sich zu den Tarifen Komfort oder Premium der Zusatzbaustein Elektro-Schutz vereinbaren.

 

Besonderheiten:

  • Allgefahrendeckung für den Akku
  • Mitversicherung der Wallbox bis 2.000 Euro sofern diese innerhalb eines abschließbaren Gebäudes installiert
  • Folgeschäden an Aggregaten nach Kurzschluss und Tierbiss im Tarif Komfort bis 10.000 Euro versichert
  • Folgeschäden an Aggregaten nach Kurzschluss und Tierbiss im Tarif Premium bis 20.000 Euro versichert
  • Schäden an Akkumulator und der Elektronik durch unsachgemäßes Abschleppen durch einen gewerblichen Abschlepper bis 20.000 Euro
  • Bei Mitversicherung des Bausteins Mobilitäts-Schutz sind bei leerem Akku die Kosten für das Abschleppen zur nächsten Ladestation versichert

 

Fazit

Wirklich innovativ ist in unserem Vergleich nur die Helvetia. Mit einem gesonderten Tarif für reine Elektrofahrzeuge und nur sieben Seiten Bedingungswerk sehen wir hier gute Chancen für die Helvetia, einen anspruchsvollen, aber nach Einfachheit strebenden Kundenkreis zu bedienen. Dies könnte sich lohnen, da wir davon ausgehen, dass die Zielgruppe, die sich aktuell schon Elektrofahrzeuge kauft und leisten kann, genau nach solchen Produkten sucht. Fraglich ist allerdings, ob hier der Wegfall der Schadenfreiheitsklassen nicht zu einer negativen Risikoselektion führen kann.

Die anderen Versicherer haben recht ähnliche Leistungen in ihren Leistungskatalogen mit aufgeführt. Hier muss man jedoch genau hinschauen, wo genau die Leistungen versichert sind. Kasko oder Teilkasko. Komfort-, Premium- oder Klassik-Tarif. Als Zusatzbaustein oder in den Bedingungen an verschiedenen Stellen „versteckt“. Hier gehen die Versicherer sehr unterschiedlich vor und ein Vergleich ist somit schwierig. Achten Sie auch auf die Höhen der verschiedenen Sublimits. Von Versicherer zu Versicherer und von Tarif zu Tarif sind diese doch sehr unterschiedlich.

 

Auch wenn die Versicherer einige Innovationen eingeführt haben, leichter haben Sie uns die Beratung nicht gemacht.

 

Mit freundlichen Grüßen

Meik Behrend

Meik Behrend

Leiter Team Produktentwicklung

Tel.: 02331 – 80 45 – 119
meik.behrend@germanbroker.net