Tendenz steigend: Schäden in der KFZ-Kaskoversicherung

Vor Kurzem hat der GDV die Schadenstatistiken der Kasko-Versicherung veröffentlicht. Unangefochtener Spitzenreiter waren auch in 2020 mit Abstand die Glasbruchschäden.

 

1,907 Millionen Schäden mit insgesamt 1,292 Milliarden Euro Schadenleistung haben dabei mit 678 Euro erneut eine Höchstmarke in der durchschnittlichen Schadenhöhe markiert. 2006 waren es beispielsweise noch knapp 400 Euro. Dabei gab es sogar 150.000 weniger Glasbruchschäden als noch im Vorjahr, geleistet wurden jedoch insgesamt nur 6 Millionen Euro weniger. Die Gründe liegen hier klar auf der Hand: moderne Fahrzeuge beherbergen immer mehr kamera- und laserbasierte Assistenzsysteme und tolle Funktionen wie beheizbare Frontscheiben. Mit einem einfachen Austausch, wie es noch vor 15 Jahren üblich war, ist es heutzutage nicht mehr getan. Die Elektronik muss neu angeschlossen, arretiert und kalibriert werden.

 

Zweithäufigste Schadenursache in 2020 waren Wildschäden. Diese sind mit 272.000 Ereignissen zwar deutlich seltener als Glasbruchschäden, schlagen aber mit insgesamt 853 Millionen Euro Schadenleistung ebenfalls ordentlich zu Buche. Auch bei diesen Schäden hat sich ein steigender Trend im Schadendurchschnitt eingestellt: Etwa 3.136 Euro kostete ein Wildschaden durchschnittlich in 2020. Seit 2006 hat sich die Regulierungssumme mehr als verdoppelt (2006: 398 Mio. Euro) bei nahezu gleichbleibender Schadenanzahl (zwischen 203 Tsd. und 295 Tsd., im Durchschnitt 250,6 Tsd.) Auch hier liegt der technische Fortschritt als Kostentreiber klar auf der Hand: Einparkhilfesensoren, Radare für Abstandstempomaten, Kameras und komplexe Matrix-LED-Scheinwerfer zieren jede moderne Fahrzeugfront. Doch auch die Wildschadenklausel wurde zugunsten des Wettbewerbs immer weiter aufgebohrt – bestand diese vor 15 Jahren weitestgehend nur aus Haarwild nach § 2 BJagdG, sind es heutzutage „Tiere aller Art“.

 

Der Häufigkeit nach belegen Marderbissschäden mit 217.000 Schadenfällen und 90 Mio. Euro Leistung Platz 3, der Leistungssumme nach sind die Gefahren Sturm, Hagel, Blitz mit 131.000 Schäden und 283 Mio. Euro Leistung.

Die Marderbissschäden schwankt die Schadenanzahl seit über 10 Jahren stetig um die 200.000 Fälle im Jahr; die Leistungshöhe hat sich im gleichen Zeitraum nahezu verdoppelt, seit 15 Jahren sogar verdreifacht. Der durchschnittliche Schaden ist seit 2006 (206 Euro) konstant gestiegen und hat sich bis heute mehr als verdoppelt (415 Euro). Auch hier wieder: immer mehr komplexe Elektronik unter der Haube.

 

Unabhängig vom technischen Fortschritt sind hingegen die Sturm-, Hagel- und Blitzschäden, deren durchschnittliche Schadenhöhe um die 2.000 Euro schwankt. Ausschläge gab es beispielsweise im Jahr 2014, das mit dem Juni-Hochwasser sowie diversen Hagelstürmen von intensiven Elementarereignissen geplagt war, oder im Jahr 2019, als golfballgroßer Hagel vom Himmel fiel.

 

An dieser Stelle haben wir die Zahlen noch einmal tabellarisch aufgeführt. Diese sagen sicher mehr als 1.000 Worte, wenn der Kunde fragt „Warum ist die KFZ-Versicherung so teuer?“.

 

Mit freundlichen Grüßen

Philipp Andrzejak

Philipp Andrzejak

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